Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) – häufigste Begleiterkrankung einer Schwangerschaft
Schwangerschaftsdiabetes - auch Gestationsdiabetes genannt - ist eine der häufigsten Begleiterkrankungen einer Schwangerschaft. Diese Form des Diabetes tritt erstmals während einer Schwangerschaft auf bzw. wird dann erstmals diagnostiziert und verschwindet meist unmittelbar nach der Geburt wieder. Bei einigen Frauen manifestiert sich während der Schwangerschaft aber auch eine Diabeteserkrankung, die bereits unentdeckt vor der Schwangerschaft bestand.

Quelle: LifeScan, Ortho-Clinical- Diagnostics GmbH, Karl-Landsteiner-Str. 1, 69151 Neckargemünd
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Ursachen des Schwangerschaftsdiabetes
Durch die Schwangerschaftshormone, die die Frau vor allem in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft produziert, steigt der Glucosespiegel im Blut und somit der Insulinbedarf des Körpers an. Kann die Schwangere diesen erhöhten Bedarf nicht durch Mehrproduktion des Hormons Insulin ausgleichen oder der Körper reagiert nicht mehr auf das viele Insulin, steigt der Blutzuckerspiegel höher als üblich an, da die Zellen die Glucose schlechter aufnehmen können. In diesem Fall spricht man von Schwangerschaftsdiabetes.
Nach der Geburt wird wieder weniger Insulin benötigt und so verschwindet der Diabetes in der Regel wieder.
In Deutschland entwickeln ca. 5 % der Frauen - meist unerkannt - einen Schwangerschaftsdiabetes. Meist tritt dieser erst im letzten Schwangerschaftsdrittel auf.
Frauen haben ein erhöhtes Risiko, an Schwangerschaftsdiabetes zu erkranken, wenn sie folgende Risikomerkmale aufweisen:
- Übergewicht vor der Schwangerschaft: BMI über 27 kg/m²
Tipp: Errechnen Sie Ihren BMI mit unserem BMI-Rechner
- Diabetes in der engeren Familie (bei Eltern oder Geschwistern)
- eigenes Geburtsgewicht höher als 4000 Gramm
- wiederholte Fehlgeburten
- vorausgegangene Geburt eines Kind mit mehr als 4000 Gramm
- Alter der Schwangeren über 30 Jahre
- schon einmal ein Gestationsdiabetes entwickelt
Nach einem Schwangerschaftsdiabetes besteht ein 50 % höheres Risiko, bei der nächsten Schwangerschaft wieder diese Form des Diabetes zu entwickeln.
Die Risiken für die schwangere Frau liegen in dem gehäuften Auftreten von Komplikationen während der Schwangerschaft (zum Beispiel Harnwegs- und Nierenbeckenentzündungen, Wassereinlagerungen und Bluthochdruck). Außerdem neigen sie dazu, später an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Ungefähr 9 % der betroffenen Frauen entwickeln in den auf die Schwangerschaft folgenden Jahren diese Form des Diabetes.
Risiken bestehen insbesondere für das Kind
Unbehandelt kann ein Schwangerschaftsdiabetes besonders für das ungeborene Kind sehr gefährlich werden. Die Risiken steigen allgemein mit den Blutglucosewerten der Mutter.
Durch den überhöhten Blutzuckerspiegel der Mutter gelangt die Glucose über die Plazenta und die Nabelschnur in den kindlichen Kreislauf und regt die Insulinproduktion des ungeborenen Kindes an. Durch erhöhte Insulin- und Zuckerspiegel nimmt das Kind stark an Körpergewicht zu. Dies darf keinesfalls als Zeichen der guten Entwicklung des Kindes fehlgedeutet werden. Vielmehr ist dieser Zustand mit einer Reifestörung des Kindes verbunden.
Aufgrund des Schwangerschaftsdiabetes der Mutter besteht die Gefahr einer Entwicklungsverzögerung des Ungeborenen. Davon sind besonders die Lungen des Kindes betroffen. Das Insulin befindet sich nämlich nicht nur im Blut des Kindes, sondern auch im Fruchtwasser, in dem das Kind schwimmt. Dieses Fruchtwasser gelangt in die Lungen, wo ein erhöhter Insulinspiegel die endgültige Reifung und Entfaltung der Lungen hemmt und somit eine funktionsgerechte Atmung nach der Geburt entgegenwirkt.
Durch das erhöhte Gewicht und die Größe des ungeborenen Kindes (Makrosomie) kann es darüber hinaus zu erheblichen Problemen bei der Geburt kommen, die durch die beengten Platzverhältnisse im Mutterleib auch für das Kind belastend sind. Geburtskomplikationen sind sehr häufig und oft ist eine Entbindung durch Kaiserschnitt erforderlich.
Weitere Komplikationen bei unbehandeltem oder schlecht behandeltem Gestationsdiabetes können Frühgeburt oder Totgeburt, Missbildungen sowie Augen- und Nierenschädigungen sein. Darüber hinaus haben diese Kinder ein erhöhtes Risiko bereits in der Pubertät oder im frühen Erwachsenenalter selbst Übergewicht und einen Diabetes zu entwickeln.
Schwangere mit Gestationsdiabetes sind Risiko-Schwangere
Bei der Auswahl der Entbindungsklinik ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Klinik und das Personal über besondere diabetologische Erfahrungen verfügen. Entbindungsabteilungen, die den notwendigen Standards nicht nachkommen können, sollen alle Schwangeren mit Gestationsdiabetes zur Entbindung an diabetologisch erfahrene Kliniken überweisen.
Screenings auf Schwangerschaftsdiabetes - sehr zu empfehlen
Aufgrund der Risiken sind konsequent durchgeführte Suchtests, so genannte Screenings und eine rechtzeitige Behandlung nötig, um die Gefahr für Mutter und Kind zu mindern.
Suchtests gehören nicht zur normalen Schwangerschaftsvorsorge dazu, sind aber zum eigenen Schutz und Schutz des ungeborenen Kindes sehr zu empfehlen. Die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes kann nur über einen Zuckerbelastungstest erfolgen. Fachgremien fordern, dass er bei allen Schwangeren durchgeführt wird und nicht nur bei Schwangerschaften mit erhöhtem Risiko.
Die Betriebskrankenkassen in Nordrhein-Westfalen übernehmen seit kurzem die Kosten für den Test bei allen Schwangeren ab dem 25. Lebensjahr oder Frauen mit Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck oder Diabetes in der Familie.
Der Test auf Schwangerschaftsdiabetes sollte zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche stattfinden. Wenn einer der oben beschriebenen Risikofaktoren vorliegt, sollte das Screening bereits im 1.Trimenon, also in den ersten 3 Schwangerschaftsmonaten, durchgeführt werden, um dem Diabetes schnellstmöglich entgegenzuwirken.
Auch wenn der anfängliche Suchtest zu einem negativen Ergebnis führt, sollte dieser bei Risikopersonen in der 32. bis 34. Schwangerschaftswoche wiederholt werden, damit auch ein zum späteren Zeitpunkt aufgetretener Diabetes rechtzeitig erkannt wird. Nach der Geburt des Kindes muss die Mutter ebenfalls erneut untersucht werden, um festzustellen, ob der Diabetes eventuell weiterhin besteht.
Ein einfacher Suchtest kann beim Gynäkologen oder Hausarzt durchgeführt werden. Dabei wird der Blutzucker eine Stunde nach Trinken einer Zuckerlösung mit 50 g Traubenzucker gelöst in 200ml Wasser bestimmt. Wenn der Blutzuckergehalt des kapillären Vollbluts über 140 mg/dl ( > 7,8 mmol/l) liegt, besteht der Verdacht auf Schwangerschaftsdiabetes. Dann sollte ein vollständiger oraler Glucosetoleranztest (oGTT) mit 75 g Glucose gelöst in 300ml Wasser durchgeführt werden.
Werden mindestens zwei der angegebenen Grenzwerte überschritten, besteht ein Gestationsdiabetes.
Wenn ein Wert überschritten wird, liegt eine eingeschränkte Glucosetoleranz vor, die weiter beobachtet werden muss.
Es wird deshalb empfohlen, dass Schwangere mit einer eingeschränkten Glukosetoleranz ebenfalls die Blutglukose-Selbstkontrolle erlernen und eine Ernährungsberatung erhalten sollen.
Die Behandlung muss sofort nach der Diagnose beginnen
Um das Risiko kindlicher Fehlbildungen und die Gefahren für die Mutter zu minimieren, muss ein Schwangerschaftsdiabetes unbedingt sofort behandelt werden.
Nach Diagnose eines Gestationsdiabetes muss der betreuende Frauenarzt die Schwangere sofort in eine ambulante Diabetes-Schwerpunkteinrichtung überweisen. Zeitverzögerungen zwischen Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes und Behandlungsbeginn sind unbedingt zu vermeiden.
Der mitbetreuende Diabetologe sollte regelmäßig Schwangere mit Gestationsdiabetes betreuen und ausreichende Erfahrungen bei der Behandlung insulinbehandelter Schwangerer (Gestationsdiabetes und Typ-1 Diabetes mellitus) haben.
An erster Stelle der Behandlung steht neben der Blutzucker-Selbstkontrolle die Ernährungsberatung in Form einer intensiven Schulung in einer diabetologischen Schwerpunktpraxis. Bei 85 % der Schwangerschaftsdiabetikerinnen ist eine angepasste Ernährung zur Einstellung des Blutzuckerspiegels ausreichend.
Ziel der Therapie bei Gestationsdiabetes ist es, die Blutglucosewerte stabil zu halten. Engmaschige Blutzuckerkontrollen (4 bis 6mal am Tag) sind unerlässlich, um eine straffe Stoffwechseleinstellung zu erreichen. Optimal ist es, wenn alle Werte im gewünschten Bereich liegen (siehe Tabelle).
Eine Woche nach der Ernährungsumstellung muss erneut durch ein Blutzuckertagesprofil geklärt werden, ob die Diabetesbehandlung ausreichend ist. Werden wieder erhöhte Blutzuckerwerte festgestellt, muss sofort mit einer Insulintherapie begonnen werden. Dazu stehen verschiedene Insulinpräparate zur Verfügung. Blutzuckersenkende Tabletten (orale Antidiabetika) dürfen zur Behandlung eines Diabetes in der Schwangerschaft wegen der Gefahren für das ungeborene Kind nicht eingenommen werden.
Stillen - gerade nach einem Schwangerschaftsdiabetes überaus sinnvoll
Stillen ist auch für Frauen, die unter Schwangerschaftsdiabetes litten, sehr zu empfehlen. Durch die Diabetes-Erkrankung entstehen keine Schwierigkeiten für das Stillen. Es birgt sogar Vorteile. Durch die Muttermilch wird die Unterzuckerungsgefahr für den Säugling nach der Geburt reduziert. Zusätzlich wirkt sich das Stillen günstig auf den Glucosestoffwechsel der Mutter aus und hilft so, den Stoffwechsel wieder zu normalisieren.
Autorin: Rebecca Nachtigal, Dipl. oec. troph.
Veröffentlicht am 12. Oktober 2006
Weitere hilfreiche Informationen zu dem Thema finden Sie auch auf dem Portal http://www.elternforen.com/ unter dem Schlagwort "Schwangerschaftsdiabetes"
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